Mit ansteckender Lebensfreude

Schütte-Chor beeindruckt mit tansanischen Liedern / Konzert beim Gemeindejubiläum

Von Stefanie Bollmeier

Hille/Minden (sbo). "Tsamaja Jesu le naa - Komm Jesus geh’ mit mir". Als der Schütte-Chor unter der Leitung von Jürgen Schütte diese Worte in der Mindener Thomaskirche anklingen lässt, geht im Gottesdienst die Post ab.

Pfarrer i.R. Ulrich Ellermann, der seit rund 14 Jahren über die Kirchengemeinde Oberlübbe-Unterlübbe Kontakte nach Tansania pflegt, hat die afrikanischen Lieder mit in den Chor gebracht, wo sie ab sofort zum Repertoire gehören. Ulrich Ellermann erinnert sich: "Mir ist zuerst aufgefallen, dass ich mich in Tansania im Gottesdienst zu Hause fühle, weil der Ablauf und die Lieder die gleichen sind, wie bei uns."

In dieser Hinsicht hätten die Missionare vor 100 Jahren sehr gute Arbeit geleistet, meint Ellermann, gibt aber zu bedenken: "Ich meine, man hat ihnen mit dieser Frömmigkeit eine Zwangsjacke angezogen. Erst wenn die Afrikaner ihre eigenen Lieder singen, geht im Gottesdienst die Post ab und als Deutscher steht man wie vor einem Schaufenster und kommt nicht ran. Diese Menschen haben uns eine Menge zu sagen, deshalb möchten wir ihre Lieder hierher bringen."

"Dem Chor geht es besonders darum, einen Austausch von Kulturen und Mentalität zu pflegen und ihren Zuhörern etwas davon zu vermitteln. Die Menschen in Tansania sind auf dem Stand der Missionare stehen geblieben, aber wenn ihre eigenen Melodien und ihre eigene Mentalität eingebracht wird, sieht man erst, dass es ein lebendiger Glaube ist", schwärmt Ellermann von seinen Eindrücken, die er in den Usambara-Bergen gesammelt hat.

Chor mit Kamera aufgenommen

Der Schütte-Chor singt zwar Lieder aus der ganzen Welt, aber diese Art von Gesang war eine ganz neue Erfahrung für die Sängerinnen und Sänger.

Doch wie sind die Lieder eigentlich nach Deutschland gekommen? "Wir haben in Usambara im Januar 2003 den Chor mit der Videokamera aufgenommen. Mein Sohn Daniel hat dann zu Hause den Text und die vier Stimmen aufgeschrieben. Der Chor war zunächst wegen des Schriftbildes skeptisch, aber man spricht den Text genauso wie man ihn schreibt", erläutert Ulrich Ellermann den Export der kisuahelischen Lieder.

Beim Gemeindejubiläum in der Thomaskirche konnte der Schütte-Chor dann erstmals die Lieder kompetenten Zuhörern präsentieren, denn eine Gruppe aus Tansania war in der Gemeinde zu Gast und ließ es sich nicht nehmen, nach vorne zu gehen und mitzusingen. "Der Funke ist sofort übergesprungen", erinnert sich Ellermann.

"Die wichtigste Lernerfahrung für den Chor war, die Musik auch in Bewegung umzusetzen, denn die Musik geht nicht nur in den Kopf. Diese Lebensfreude ist unglaublich ansteckend. Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt, aber ich habe noch niemals so viele fröhliche Gesichter gesehen wie dort in der Armut. Die Menschen leben nach dem Prinzip der Bergpredigt: Sorge dich nicht. Daran sieht man, Wohlstand und Zufriedenheit haben nichts miteinander zu tun", schildert Ellermann und betont, dass die Menschen wirklich an das glauben, was sie singen. Er wünscht sich für die deutschen Gemeinden: "Ich hoffe, wir können den Menschen klar machen, dass der Kirchenraum auch ein Raum zum leben ist. Die Afrikaner können uns dies vormachen. Man kann ihre Mentalität zwar nicht kopieren, aber man kann sich etwas abschauen."

Den ersten Schritt dazu hat der Schütte-Chor bereits getan und spätestens im Herbst sollen weitere Lieder auf Kisuaheli ins Repertoire aufgenommen werden.

Mindener Tageblatt vom 18.06.2004

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