Kritik zum Weihnachtskonzert vom 12.12.2003

Schütte-Chor landet Coup mit Tansania-Spirituals

Abwechslungsreiches Adventskonzert in der Stiftskirche mit viel Beifall gefeiert

(Dietlind Beinssen). Bei seinem Konzert zum Advent hat der bestens disponierte Schütte-Chor am Freitagabend jeden klug konzipierten Programmteil zu einem besonderen Erlebnis werden lassen. Von Routine ist der ebenso abwechslungsreiche wie stilvolle Auftritt in der Obernkirchener Stiftskirche so weit entfernt gewesen wie ein Weihnachtsmarkt von Besinnlichkeit.

Vor der Pause pendelten die Vokalartisten unter der klaren und mitreißenden Leitung von Jürgen Schütte zwischen dem prägnant ausbalancierten "Alta trinita beata", in vorzüglicher Deklamation realisierter Romantik von Bruch und Dvorak, nuaciert ausgeleuchteten Volksweisen und ebenso mühelos wie geschmackvoll vorgetragenen Spirituals. Wunderbar lagen der Gemeinschaft die farbenfrohen Interpretationen von "I' ve got a shoes", "Go tell it to the mountain", "Nobody knows" oder "Live a-humble" aus den USA. Auch Elisabeth Reineke, Ute Rohrbach und später Annette Mickley zeugten als Solistinnen mit gut sitzenden Sopranen von dem hohen Niveau des Ensembles.

O du fröhliche

Einen Coup landete das Team mit der Europa-Premiere von zwei Spirituals aus Tansania. Der stürmisch gefeierten "ersten Aufführung nördlich des Äquators" war vorausgegangen, dass Schütte-Chor-Mitglied Ulrich Ellermann nach seiner Afrikareise im Sommer den heimischen Kollegen eine Videocassette von Songs mitbrachte, die Pastor Elias Kivulenge in Fuizai für den dortigen Kirchenchor komponiert hatte.

Was Schütte und seine motivierte Crew mit Vitalität und stimmlicher Frische aus diesen ekstatischen, aber zugleich unbeschwert heiteren Stücken zauberten, und wie die von Klaus Rohrbach an der Trommel unterstützten Titel sowie ein Zulu-Spiritual aus Südafrika rhythmisch bewegt in Landessprache darstellten, war eine Show für sich. Ein überragendes Plädoyer für Werke, deren Töne direkt ins Ohr und ins Herz gehen!

Zum Abschluss setzte die von Regina Ackmanns ausgefeilten Orgelbeiträgen umrahmte Formation ganz auf jahreszeitliche Tradition mit alten Weihnachtsmeldodien wie "Gloria in excelsis Deo", "Schlaf wohl, du Himmelsknabe" oder "O Jesulein zart". Zwischen Stimmpracht und zarter Emotion klang der Block aus, und der Schütte-Chor dürfte letzten Zweiflern nachgewiesen haben, dass bei entsprechendem Können das Wort Kitsch Fremdwort bleibt.

Schaumburger Nachrichten vom 15.12.2003
Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung vom 16.12.2004

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