Konzertreihe ist ein voller Erfolg: Schütte-Chor und Männergesangverein begeistern in der Pollhäger St. Johanniskirche


Resümee zur Konzertreihe "Ein Weg der Hoffnung"

Applaus für "Wege der Hoffnung"

Männergesangverein und Schütte-Chor auf Spuren der Auswanderer

Bückeburg. Gustav, ein Auswanderer aus Bückeburg, der 1852 ins ferne Amerika auszog, um eine neue Heimat zu finden, ist die fiktive Leitfigur einer besonderen Konzertreihe in Schaumburger Kirchen gewesen. Viel vorgenommen hatten sich die Akteure des Bückeburger Männergesangvereins (MGV) und des Schütte-Chores mit diesem außergewöhnlichen Programm mit deutschen Auswandererliedern sowie afrikanischen und amerikanischen Spirituals und Folklore.

So gastierten sie in der Marienkirche in Bückeburg, in St.-Agnes zu Steinbergen, in der Kirche zu Apelern und zum Schluss in der Pollhäger St.-Johanniskirche. In dunkelblauen neuen Sweatshirts und Jeans präsentierte sich der MGV unter der Leitung von Olga Otkupchyk beim Einmarsch in die gut gefüllte Kirche zu Pollhagen und ließ das Publikum damit gleich wissen, dass es kein "normales" Chorkonzert zu erwarten hatte. Stattdessen begann mit dem bekannten Schaumburger Heimatlied für die Zuhörer eine musikalische Reise in die Vergangenheit, die es sicher so schnell nicht vergessen wird. Kerstin Thieler und Hans-Jürgen Müller führten das Publikum in die Historie der Schaumburger Auswanderer ein, ehe sie sich dem fiktiven, aber auf weiten Strecken realitätsnahen Auswandererschicksal des Bückeburgers Gustav annahmen.

Der MGV kündete singend vom "Entschluss, nach Amerika zu reisen", um bald darauf mit dem wehmütig klingenden "Amerika" Abschied von der Heimat zu nehmen. "Ein stolzes Schiff" verließ die Reede von Bremerhaven und begann die große Reise nach "Neu-Jork".

Als dann der Segler während eines Sturms im Ärmelkanal sank, wollte Moderatorin Thieler das Publikum bereits nach Hause schicken. Aber eine glückliche Wendung des Schicksals ließ den armen Schaumburger am Leben, und einige Monate später ging er in Accra im heutigen Ghana von Bord eines englischen Kolonialschiffes.

Dass Steinsingspiele auch durchaus von großen Männern gesungen werden können, zeigte der Männergesangverein mit dem Kinderlied "Obwisana" in ghanaischer Sprache. Das ruhige "Tsamaja" und das allseits bekannte "Kum bah jah, my Lord" symbolisierte die tiefe Spiritualität der missionierten Afrikaner.

Als Gustav dann Station in den Usambara-Bergen machte, präsentierte der Schütte-Chor unter der Leitung von Jürgen Schütte, in bunte Tücher gehüllt, zwei tansanische Spirituals. Unter der Begleitung von zwei afrikanischen Trommeln bewegte sich der Chor im Rhythmus der Lieder. Das flotte "Siyahamba" aus Südafrika leitete erneut eine Wende im Leben des Auswanderers ein, der sich nun doch noch auf den Weg machte, Amerika zu erreichen. Nach dem feierlichen "Amerika the Beautiful", dem pfiffigen "Nelly Bly" und dem getragenen "Old black Joe" begann die Zeit des Bürgerkriegs, von der auch Gustav nicht verschont blieb.

Der MGV glänzte daraufhin mit Spirituals wie "My Lord, what a Morning" und dem schnellen "De Animals A-Coming". Eine kleine Solistengruppe trug das gefühlvolle "Steal Away" vor. "Live a-humble" läutete mit grell schrillenden Glocken den Schlussabschnitt des Schütte-Chores ein. Es folgte das getragene "Nobody knows", in dem Maren Gassmann souverän die Solostimme übernahm. Das flotte "Ev’ry Time I feel the Spirit" bildete einen starken Kontrast zum nun folgenden "Oh Lord". Thieler brillierte dabei mit ihrem Alt-Solo.

Nach einer beschwerlichen Reise quer durch die USA erreichte Gustav Chicago und später Schaumburg/Illinois. Nach der ersten Strophe der Hymne von Illinois und dem gemeinsam gesungenen "Amazing Grace" folgte das Finale mit dem ruhigen, fast schon monotonen Spiritual "Down to the River to pray".

Nachdem sich Pastor Uwe Herde bei den Chören für diesen "wundervollen Abend" bedankt hatte, erhellten plötzlich brennende Kerzen das abgedunkelte Kirchenschiff – und feierlich anmutend erklang das allseits bekannte "Nehmt Abschied Brüder ungewiss" gemeinsam mit dem Publikum.

Schaumburger Nachrichten vom 11.11.2004

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