Chorkonzert zum Advent in der Stiftskirche Obernkirchen am 10.12.2010


Echte Entdeckungen auf dem eigenen Weg

Von Dietlind Beinßen

Obernkirchen. Es weihnachtet überall, und oft ziemlich kitschig. Höchste Zeit also für ein musikalisches Konjunkturprogramm mit dem Schütte-Chor. Und dieses wollten am Freitagabend trotz miesen Wetters viele Schaumburger in der Stiftskirche hören.

Jürgen Schüttes musikalische Vorstellungen vermeiden jeden Anflug forcierten Singens. Sie lassen sich am besten mit einem Register umschreiben. In alphabetischer Reihenfolge summieren sich Begriffe wie andächtig, beschaulich, gleichmäßig und schlicht zu einem auf Ausgleich aller Melodien, Harmonien und Klangfarben gezielten Dirigieren.

Gleich zu Beginn ragte Bortnjanskys ausdrucksvoll gebrachter Vespergesang hervor. Danach verliehen die Sängerinnen und Sänger „Lobe dem Herrn“ von Rheintaler weiche Konturen, um anschließend Mendelssohn Bartholdys „Denn Er hat seinen Engeln befohlen“ subtil auszuleuchten. Hier beschaulich, dort temperamentvoll ging das Ensemble darüber hinaus Schuberts „Im Walde“ (Es zog eine Hochzeit) an, um warm timbriert „In einem kühlen Grunde“ hinzuzufügen. Zu Besonderheiten wurden das ansprechend formulierte „J’ai cueilli la belle rose“ und der vom Bassfundament untermauerte „Danny Boy“ aus Irland. Den Gegensatz dazu bildete ein von Ute Rohrbachs kräftigem Sopran unterstützter „Boleras Sevillanas“.

Mit nuancenreichen Liedern aus Kärnten, wo der Schütte-Chor kürzlich zu Gast war, beschritt die Gemeinschaft ganz andere Wege. Eindringlich illustrierte sie das reizvolle „Summerláng“, ein zartes „Abe schaugn“, frisch und lustig „Lei niht varzàgn“ sowie das von einem vielfältigen Stimmgemisch und Jodeltönen geprägte „Kánnst ságn, was du wülst“.

Als zuverlässiger Partner und Solist am Akkordeon setzte im zweiten weihnachtlichen Teil Hans Ellenbeck Akzente. Flexibel und homogen nahmen sich die Vokalisten neben bekannten Stücken wie „Auf dem Berge, da wehet der Wind“ oder „Vom Himmel hoch“ wenig aufgeführten Weisen an. Welche Wärme und Fülle der Schütte-Chor zu entfalten vermag, zeigte sich dabei unter anderem im „Werst mei Liacht ume sein“ aus Kärnten, „En stjerne klar“ aus Norwegen, „Jul, jul, stralende jul“ aus Schweden, dem fröhlichen „I saw three ships“ aus England oder dem von Elli Reineking sopranistisch bereicherten „Go, tell it on the mountain“ sowie Rutters zartgesponnenem „Christmas Lullaby“. Die meisten Werke waren Raritäten – und dank der plastischen Schilderungen zugleich echte Entdeckungen. Hierbei liegt der nunmehr 35-jährige Schütte-Chor richtig und wird es hoffentlich noch geraume Zeit bleiben.

Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung, 14.12.2010

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