Pressekritik zum Jubiläumskonzert am 14. Mai 2005

Musikalische Reise durch Zeit und Raum

Standing ovations für den Schütte-Chor: Funkensprühende Unterhaltungskür zum 30. Geburtstag

Von Dietlind Beinßen

Bückeburg. Eine geballte Ladung Genuss für Auge, Ohr und Herz hat der Schütte-Chor bei seinem Konzert zum 30-jährigen Bestehen im mit interessierten Zuhörern und städtischer Prominenz restlos gefüllten Palais in Bückeburg geboten.

Den Schütte-Chor vorab schon mit zu viel Anerkennung zu übergießen, ist müßig, denn jeder weiß, was dieses weit gereiste Team leistet und mit welch hoher Verantwortung gegenüber Werk und Wiedergabe auswendig gesungen wird. Doch bei dem Ensemble ist einfach vieles außergewöhnlich: vom Erscheinungsbild über eine lupenreine Gesangskultur bis hin zu einer berauschenden Sensibilität, Stile aus vielen Jahrhunderten aufs Feinste zu differenzieren. Bei der mit standing ovations endenden musikalischen Jubiläumsreise durch Raum und Zeit ließ die Formation selbstverständlich wieder Gutes von sichhören. Der Notentour war diesmal ein tiefer Griff in die Repertoirekiste vorangegangen, und dabei sind ungemein abwechslungsreiche Werke zu Tage gefördert worden, die Marlies Tschennet auf bewährte Art kommentierte.

Schon eines der ersten 1975 eingeübten Lieder "Nun bricht aus allen Zweigen" sowie feinsinnig gestaltete Kompositionen der Romantik und dynamisch minutiös abgestimmte Volkslieder verschiedener Genres aus dem In- und Ausland verliehen den Vokalisten Gelegenheit, ihre Stärken auszuspielen. Unter Jürgen Schüttes präzisem Dirigat dokumentierten die Sängerinnen und Sänger ihr wendiges Reaktionsvermögen und ihre konzentrierte Stimmkraft außerdem mit emotional wirksamer Textausdeutung an von Tourneen in Schweden, Russland, Ungarn, Israel und Südamerika mitgebrachten Stücken. Während dieser fesselnden, gut ausbalancierten Umsetzungen machten Annette Mickley, Ute Rohrbach und Elli Reineke als Solistinnen durch kräftige Farbe und innigen Ton auf sich aufmerken. Dass der Schütte-Chor bei seinem Leiter in den besten Händen ist, bewies eine inspirierte Gruppe gleich nach der Pause mit Schalk im Nacken flott in einem witzigen Überraschungssong auf ihren verehrten Namensgeber. Bei aller Lockerheit konnten die Interpreten einen leicht erhöhten Adrenalinstoß aber nicht verhehlen.

Wie fundiert Jürgen Schütte mit seiner "Crew" arbeitet, zeigte sich auch an den folgenden Liedern aus der jüngeren Chorgeschichte, zum Beispiel bei "Somewhere over the rainbow". Hier fiel neben kultiviertem Gesamtklang Maren Gaßmanns schöner Sopran auf. In den sich anschließenden Spirituals und Gospels balancierten die Crew, und bei "Oh Lord" zudem wohltimbriert die Mezzosopranistin Kerstin Thieler, geschickt auf dem Grat zwischen natürlicher Empfindung und sentimentalem Zungenschlag. Mit ihrer Virtuosität bestens verträglich waren zum Schluss die drei temperamentvollen Vorträge afrikanischer Spirituals. Bei dieser von drei afrikanischen Freunden unterstützten funkensprühenden Unterhaltungskür wirkten auf pikante Art Klaus Rohrbach und Daniel Ellermann an afrikanischen Trommeln mit. Dass Ellermann sich ebenso als Pianist auskennt, demonstrierte er vorher als Begleiter. Um den stürmischen Applaus zu besänftigen, spendierte das Geburtstagskind zum Abschluss sogar drei Zugaben.

Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung, 19.5.2005